Autor: Maria Hoffmann, Pflegeexpertin bei Lumira | Fachlich geprüft von: Fachredaktion Lumira | Stand: Juni 2026
Sturzprävention Pflegekraft Alltag — dieses Thema sollte in keinem Pflegehaushalt fehlen. Stürze sind die häufigste Unfallursache bei Senioren: Etwa ein Drittel aller Menschen über 65 stürzt mindestens einmal pro Jahr. Bei Pflegebedürftigen ist das Risiko noch deutlich höher. Welche konkreten Maßnahmen kann die Betreuungskraft täglich umsetzen — und wann braucht es zusätzlich Physiotherapie?
- Begleitung bei unsicheren Situationen (Aufstehen, Treppen, Bad) — täglich
- Stolperfallen im Haushalt erkennen und beseitigen — regelmäßige Kontrolle
- Haltegriffe nutzen und seniorensicher einrichten — koordinieren mit Familie
- Einfache Aktivierungsübungen im Rahmen der Betreuung — Balance, Kraft
- Bei erhöhtem Sturzrisiko: Physiotherapie zusätzlich beauftragen
Statistik: Stürze im Alter — das Ausmaß des Problems
Stürze bei Senioren sind kein Randthema. Die Zahlen sind alarmierend:
Was die Betreuungskraft konkret zur Sturzprävention tun kann
| Maßnahme | Wann / Wie oft | Wer verantwortlich |
|---|---|---|
| Begleitung beim Aufstehen aus Bett / Stuhl | Täglich, mehrfach | Pflegekraft |
| Begleitung im Bad (Dusche, WC) | Bei jeder Nutzung | Pflegekraft |
| Begleitung auf Treppen | Bei jeder Nutzung | Pflegekraft |
| Stolperfallen prüfen (Teppiche, Kabel, Schwellen) | Wöchentlich | Pflegekraft + Familie |
| Haltegriffe auf Funktionsfähigkeit prüfen | Monatlich | Familie / Hausbesitzer |
| Schuhwerk kontrollieren (rutschfeste Sohlen) | Täglich beim Anziehen | Pflegekraft |
| Beleuchtung bei Nacht sicherstellen | Abends einrichten | Pflegekraft |
| Aktivierungsübungen (Gleichgewicht, Kraft) | Täglich 10–15 min | Pflegekraft (nach Anleitung) |
| Physiotherapeutisches Übungsprogramm | 2–3x/Woche | Physiotherapeut (separat) |
Einfache Übungen zur Sturzprävention — was die Pflegekraft begleiten kann
Wann ist Physiotherapie zusätzlich nötig?
Die Faustregel: Wenn ein Senior in den letzten 12 Monaten gestürzt ist, wenn erhebliche Gangstörungen vorliegen (z. B. bei Parkinson, nach Schlaganfall) oder wenn die Muskeln deutlich geschwächt sind — dann reicht Alltagsbegleitung durch die Pflegekraft nicht mehr aus. Physiotherapie ist dann medizinisch notwendig und wird meist von der Krankenkasse bezahlt.
Mehr zu den Aufgaben der Pflegekraft im Alltag und was zur Betreuung gehört: 24-Stunden-Betreuung zu Hause: Alltag, Aufgaben & Grenzen →
Häufige Fragen — Sturzprävention und Betreuungskraft
Darf die Pflegekraft Sturzpräventionsübungen selbst entwickeln?
Nein. Die Pflegekraft begleitet und motiviert bei Übungen, die ein Physiotherapeut oder Arzt vorgegeben hat. Das eigenständige Erstellen von therapeutischen Übungsprogrammen ist nicht ihre Aufgabe und kann bei falscher Ausführung schaden.
Was tun, wenn der Senior gestürzt ist?
Ruhe bewahren, nicht sofort aufrichten. Zuerst prüfen: Ist der Senior bei Bewusstsein? Hat er Schmerzen? Ist etwas gebrochen? Bei Unklarheit sofort Notruf (112) und Familie informieren. Dann dokumentieren: wann, wie, wo gestürzt. Arzt zeitnah benachrichtigen, auch wenn es "nur" ein leichter Sturz war.
Wer bezahlt Haltegriffe und Umbauten für Sturzprävention?
Die Pflegekasse bezuschusst wohnumfeldverbessernde Maßnahmen mit bis zu 4.000 € pro Maßnahme und Pflegebedürftigen. Dazu gehören Haltegriffe, Rampen, Badumbauten. Antrag bei der Pflegekasse stellen — oft geht das unkompliziert. Der Hausarzt kann unterstützen.
Wie erkenne ich, dass ein Senior ein erhöhtes Sturzrisiko hat?
Zeichen für erhöhtes Sturzrisiko: unsicherer Gang, häufiges Festhalten an Möbeln, Schwindelattacken, schlecht sitzende Schuhe, Sehprobleme, bestimmte Medikamente (Blutdrucksenker, Schlafmittel), Parkinson oder Schlaganfall in der Vorgeschichte. Bei diesen Zeichen sofort Arzt ansprechen.
