Autor: Maria Hoffmann, Pflegeexpertin bei Lumira | Stand: Juni 2026 | Aktualisiert: 2026-06-29
Wenn Familien eine 24h-Betreuungskraft suchen, taucht die Frage schnell auf: Was verdient die Pflegekraft eigentlich? Und: Zahle ich ihr Gehalt direkt? Die Antwort überrascht viele — denn das Modell, nach dem polnische Pflegekräfte in deutschen Haushalten tätig sind, funktioniert anders als ein klassisches Arbeitsverhältnis. Dieser Artikel erklärt, was eine 24h-Betreuungskraft 2026 verdient, wie das Entsendemodell funktioniert, was Familien wirklich zahlen — und warum der Agenturbeitrag nicht gleich dem Gehalt ist.
Wie funktioniert das Entsendemodell? Wer ist eigentlich Arbeitgeber?
Das in Deutschland weitverbreitete Modell der 24h-Betreuung über osteuropäische Agenturen basiert auf der EU-Entsenderichtlinie (zuletzt aktualisiert 2018/957). Die Pflegekraft wird nicht von der deutschen Familie, sondern von einem polnischen Unternehmen angestellt. Dieses Unternehmen entsendet sie vorübergehend nach Deutschland — in den Haushalt der Pflegebedürftigen.
Das bedeutet konkret:
- Die Pflegekraft hat einen Arbeitsvertrag mit dem polnischen Arbeitgeber, nicht mit der Familie.
- Sozialversicherung, Rentenversicherung, Unfallschutz — alles läuft in Polen.
- Das Gehalt wird vom polnischen Arbeitgeber festgelegt und ausgezahlt.
- Die Familie schließt einen Dienstleistungsvertrag mit der Agentur und zahlt einen monatlichen Pauschalpreis.
- Dieses Modell ist vollständig legal und von deutschen Gerichten anerkannt.
Was verdient eine polnische Pflegekraft 2026?
Das tatsächliche Gehalt einer 24h-Betreuungskraft liegt 2026 bei ca. 1.400 bis 1.900 € netto pro Monat. Umgerechnet auf polnische Bruttolöhne entspricht das etwa 2.200 bis 2.600 € brutto monatlich — ein attraktives Einkommen im polnischen Kontext, das deutlich über dem polnischen Durchschnitt liegt.
Das Gehalt variiert je nach:
- Deutschkenntnissen (A2 bis C1 — größter Gehaltstreiber)
- Berufserfahrung in der Pflege oder Betreuung
- Spezialkenntnissen (Demenz, Parkinson, Beatmung)
- Einsatzort und Betreuungsintensität
Netto-Angaben nach polnischem Steuerrecht, inkl. polnischer Sozialversicherung. Kost und Logis in Deutschland kommen zusätzlich dazu.
Was zahlt die Familie — und was davon bekommt die Pflegekraft?
Hier liegt das häufigste Missverständnis. Familien fragen oft: „Ich zahle 2.800 € im Monat — bekommt die Pflegekraft das alles?" Die Antwort ist: Nein. Der monatliche Agenturbeitrag der Familie setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen:
Die Familie zahlt also einen Pauschalpreis — der das Gehalt enthält, aber auch alle Nebenkosten. Das ist vergleichbar mit dem Preis eines Handwerkers: Sie zahlen nicht nur seinen Lohn, sondern auch Material, Fahrtkosten, Betrieb und Gewinn.
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Tabelle: Sprachniveau — Agenturbeitrag — Gehalt der Pflegekraft
Die folgende Tabelle zeigt, wie sich das Deutschniveau der Pflegekraft auf den Agenturbeitrag der Familie und das Gehalt der Kraft auswirkt. Sie vermittelt einen realistischen Überblick — ohne Gewähr auf Einzelpreise, da diese vom konkreten Betreuungsfall abhängen.
| Deutschkenntnisse | Typische Einsatzbereiche | Agenturbeitrag Familie/Monat | Geschätztes Netto-Gehalt |
|---|---|---|---|
| A1–A2 Grundkenntnisse |
Körperpflege, Haushalt, einfache Alltagsbegleitung | 2.400–2.700 € | ca. 1.400–1.550 € netto |
| B1 Mittelstufe |
Kommunikation mit Ärzten, Begleitung zu Terminen, Demenzbetreuung | 2.700–3.100 € | ca. 1.550–1.700 € netto |
| B2 Gute Kenntnisse |
Komplexe Kommunikation, Koordination mit Pflegediensten | 3.100–3.400 € | ca. 1.700–1.850 € netto |
| C1 Sehr gute Kenntnisse |
Gehobene Betreuung, intensive Demenz- oder Intensivpflege | 3.400–3.800 € | ca. 1.850–1.950 € netto |
Hinweis: Kost und Logis kommen für die Familie zusätzlich hinzu (ca. 200–400 € je nach Haushalt). Die genannten Agenturbeiträge sind Richtwerte und variieren je nach Anbieter und Betreuungsbedarf.
Mindestlohn: Was gilt für polnische Pflegekräfte in Deutschland?
Eine oft gestellte Frage lautet: Muss die polnische Pflegekraft den deutschen Mindestlohn von 12,82 € (Stand 2026) bekommen? Die rechtliche Antwort ist differenziert.
Im reinen Entsendemodell gilt formal das polnische Tarifrecht, da die Kraft in Polen angestellt ist. Der polnische Mindestlohn liegt 2026 bei ca. 4.300 PLN brutto (rund 1.000 €). Seriöse Agenturen zahlen jedoch erheblich mehr — und achten darauf, dass die Gesamtvergütung fair ist.
Außerdem gilt: Wenn eine Pflegekraft dauerhaft (nicht mehr „vorübergehend") in Deutschland tätig ist, können deutsche Mindestlohnregelungen greifen. Bei einem regulären Rotationsmodell mit Wechsel alle 6–12 Wochen ist das typischerweise nicht der Fall.
Warum ist das Entsendemodell für beide Seiten vorteilhaft?
Das Entsendemodell hat sich bewährt, weil es echte Vorteile für Familien und Pflegekräfte bietet:
- Kein eigenes Arbeitgeberverhältnis
- Keine deutschen Lohnabrechnungen
- Geregelte Vertretung bei Krankheit oder Urlaub
- Planbare Monatspauschale
- Agentur übernimmt Koordination
- Sozialer Schutz in Polen
- Fairer Lohn weit über polnischem Niveau
- Rentenversicherung läuft weiter
- Planbare Einsatzzeiten mit Heimreisen
- Rechtliche Sicherheit durch EU-Recht
Das Modell funktioniert deshalb so gut, weil klare Strukturen auf beiden Seiten Verlässlichkeit schaffen. Die polnische Pflegekraft weiß, was sie verdient. Die Familie weiß, was sie zahlt. Und die Agentur sorgt für reibungslosen Ablauf.
Kost und Logis: Was stellt die Familie bereit?
Neben dem Gehalt erhält die Pflegekraft von der Familie freie Kost und Logis — das ist vertraglich vereinbart und kein optionaler Bonus. Konkret bedeutet das:
- Ein eigenes Zimmer mit Tür, Bett und ausreichend Privatsphäre
- Mahlzeiten gemeinsam mit der Familie oder eigenständige Küchenbenutzung
- Zugang zu Bad, WLAN und Waschmaschine
- Gelegentliche Fahrten zu Einkaufen und Arztterminen (gemeinsam)
Kost und Logis haben einen realen wirtschaftlichen Wert von ca. 400–600 € monatlich — was das Gesamtpaket für die Pflegekraft noch attraktiver macht, auch wenn dieser Betrag nicht im Netto-Gehalt erscheint.
Was kostet 24h-Pflege wirklich für die Familie — nach allen Zuschüssen?
Der Agenturbeitrag von 2.400–3.500 € ist zwar der Ausgangspunkt, aber nicht das, was die Familie netto zahlt. Denn die Pflegekasse übernimmt erhebliche Anteile:
- Pflegegeld (bei Pflegegrad 2–5): bis zu 901 €/Monat (PG 5)
- Verhinderungspflege: bis zu 1.612 €/Jahr (kann für Betreuungskraft genutzt werden)
- Steuerbonus § 35a EStG: bis zu 4.000 € pro Jahr (20 % der Kosten anrechenbar)
In der Summe kann der Eigenanteil auf 1.000 bis 2.000 € monatlich sinken — je nach Pflegegrad und konsequenter Nutzung aller Leistungen.
Häufig gestellte Fragen zum Gehalt der Pflegekraft
Zwischen 1.400 und 1.900 € netto pro Monat, je nach Deutschkenntnissen, Qualifikation und Einsatzintensität. Brutto in Polen entspricht das ca. 2.200–2.600 €. Hinzu kommt freie Kost und Logis im deutschen Haushalt.
Nein. Sie zahlen einen monatlichen Pauschalpreis an die Agentur. Das Gehalt wird vom polnischen Arbeitgeber direkt an die Pflegekraft ausgezahlt. Sie sind nicht Arbeitgeber und tragen keine Lohnbuchhaltungspflichten.
Ja — das Entsendemodell basiert auf der EU-Entsenderichtlinie 2018/957, ist von deutschen Gerichten anerkannt und seit über zwei Jahrzehnten gängige Praxis. Entscheidend ist, dass der polnische Arbeitgeber alle gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt.
Im Entsendemodell gilt formal polnisches Tarifrecht. Seriöse Agenturen wie Lumira zahlen jedoch deutlich mehr als den polnischen Mindestlohn — und wählen Partner aus, die faire Vergütung als Standard setzen.
Bessere Deutschkenntnisse bedeuten höhere Qualifikation — und damit ein höheres Gehalt in Polen. Dieser Unterschied fließt in den Agenturbeitrag ein. Gleichzeitig leisten B2/C1-Kräfte oft mehr: Arztgespräche, Koordination mit Pflegediensten, komplexe Alltagsbegleitung.
Im Krankheitsfall ist die Agentur verpflichtet, eine Vertretungskraft zu organisieren. Die Pflegekraft selbst ist in Polen krankenversichert — etwaige Krankentage gehen nicht zu Lasten der Familie. Lumira koordiniert Vertretungen in der Regel innerhalb von 24–72 Stunden.
Ja. Pflegekräfte arbeiten typischerweise in einem Rotationsmodell: 6 bis 12 Wochen Einsatz in Deutschland, gefolgt von 4 bis 6 Wochen Pause zuhause in Polen. Während der Abwesenheit sorgt die Agentur für eine Nachfolgekraft.
Fazit: Was Familien wirklich wissen müssen
Das Gehalt einer 24h-Pflegekraft ist kein Geheimnis — aber es liegt eben nicht direkt auf dem Kontoauszug der Familie. Stattdessen zahlen Familien einen Pauschalpreis an die Agentur, der alle Kosten enthält: Gehalt, Sozialabgaben, Reisekosten und Koordination.
Was Familien mitnehmen sollten:
- Polnische Pflegekräfte verdienen fair — deutlich mehr als polnischer Durchschnitt
- Das Entsendemodell ist legal, etabliert und schützt beide Seiten
- Der Agenturbeitrag ist ein Paketpreis, kein Direktlohn
- Nach Pflegekassenleistungen zahlen Familien oft deutlich weniger als gedacht
- Bessere Sprachkenntnisse = höherer Preis = mehr Komfort und Kompetenz
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