Autor: Maria Hoffmann, Pflegeexpertin bei Lumira | Fachlich geprüft von: Fachredaktion Lumira | Stand: Juni 2026
Den MDK-Besuch vorbereiten ist eine der wichtigsten Aufgaben im Pflegeprozess — und eine der am häufigsten unterschätzten. Viele Familien verlieren beim Begutachtungsgespräch einen ganzen Pflegegrad, weil sie den Alltag zu positiv darstellen, keine Unterlagen bereit haben oder nicht wissen, worauf der Gutachter genau achtet. Dieser Artikel erklärt das NBA-System mit allen 6 Modulen, zeigt was der MDK konkret prüft — und gibt praktische Tipps, um das Gutachten optimal zu gestalten.
- NBA = 6 Module, Modul 4 (Selbstversorgung) trägt 40 % — das wichtigste Modul
- Pflegetagebuch mindestens 2 Wochen vor dem Besuch führen
- Angehöriger oder Pflegekraft sollte beim Gespräch anwesend sein
- Schlechtesten Tag zeigen — nicht versuchen, Kompetenzen zu demonstrieren
- Alle Unterlagen vorbereiten: Arztberichte, Medikamentenliste, Hilfsmittelliste
- Typischer Fehler: Selbstüberschätzung — Betroffene versuchen, selbstständiger zu wirken
Das NBA-System: 6 Module und ihre Gewichtung
Das MDK-Gutachten basiert ausschließlich auf dem Neuen Begutachtungsassessment (NBA). Der Gutachter bewertet 6 Module — jedes mit einer anderen Gewichtung. Das Verständnis dieser Struktur ist entscheidend, um den Besuch richtig vorzubereiten.
| Modul | Gewicht | Was genau wird bewertet? | Beispiele |
|---|---|---|---|
| 1 — Mobilität | 10 % | Körperliche Bewegung und Fortbewegung | Aufstehen, Treppensteigen, Gehen im Haus |
| 2 — Kognition & Kommunikation | 15 % | Geistige Fähigkeiten und Orientierung | Datum kennen, Entscheidungen treffen, Personen erkennen |
| 3 — Verhalten & Psyche | 15 % | Verhaltensauffälligkeiten und psychische Belastung | Unruhe, Aggressivität, Angst, Schlafstörungen |
| 4 — Selbstversorgung | 40 % | Grundlegende Alltagsfähigkeiten | Waschen, Anziehen, Essen, Toilettengang |
| 5 — Krankheitsmanagement | 20 % | Umgang mit medizinischen Anforderungen | Medikamente nehmen, Verbände wechseln, Arzttermine |
| 6 — Alltagsgestaltung | — | Soziale Teilhabe und Tagesstruktur | Freizeitgestaltung, soziale Kontakte, Hobbys |
Pflegetagebuch führen: Das wichtigste Vorbereitungstool
Ein Pflegetagebuch ist kein optionales Extra — es ist die Grundlage eines guten MDK-Gutachtens. Führen Sie es mindestens 2, besser 4 Wochen vor dem Besuch.
- Uhrzeit und genaue Beschreibung jeder Pflegehandlung
- Wie lange hat die Hilfe gedauert?
- Wie viel Eigenleistung war möglich, wie viel Fremdleistung nötig?
- Besondere Vorkommnisse: Stürze, Verweigerung, Verwirrung, Schmerzen
- Nachtpflege: Wie oft wurde nachts Hilfe gebraucht?
„07:15 Uhr — Morgenpflege: Vater konnte nicht selbst aus dem Bett aufstehen, Hilfe beim Transfer nötig (10 min). Körperpflege am Waschbecken: vollständige Unterstützung beim Waschen des Oberkörpers und Rückens (15 min). Anziehen: Schuhe selbst nicht möglich, Hose mit starker Hilfe (12 min). Mehrfach nach der Uhrzeit gefragt, Datum nicht bekannt."
Am Tag des MDK-Besuchs: Was zu tun und zu vermeiden ist
| Häufiger Fehler | Warum schädlich? | Richtig machen |
|---|---|---|
| Guten Tag zeigen — Betroffener zieht sich allein an | Gutachter bewertet was er sieht | Schlechtesten Tagesverlauf simulieren |
| Kein Angehöriger anwesend | Betroffene unterschätzen sich selbst oft | Angehöriger oder Pflegekraft dabei sein lassen |
| Fragebogen zu positiv ausfüllen | Basisinformation zu gut | Realistisch und eher schlechter als besser einschätzen |
| Unterlagen nicht parat | Gutachter muss sich auf Angaben verlassen | Arztberichte, Medikamentenliste, Pflegetagebuch auf Tisch legen |
| Nur auf direkte Fragen antworten | Wichtige Aspekte werden nicht erwähnt | Aktiv ergänzen: Nachts, an schlechten Tagen, bei Demenz |
Beispiel: Wie ein Tagesverlauf beim MDK aussehen sollte
Unterlagen-Checkliste für den MDK-Besuch
- Aktueller Arztbericht (nicht älter als 3 Monate) mit allen Diagnosen
- Krankenhausentlassbericht falls kürzlich stationär
- Reha-Bericht falls vorhanden
- Medikamentenliste mit allen aktuellen Medikamenten und Dosierungen
- Pflegetagebuch der letzten 2–4 Wochen
- Liste der Hilfsmittel (Rollator, Rollstuhl, Pflegebett etc.)
- Pflegeperson anwesend — Angehöriger oder professionelle Kraft
- Bisherige MDK-Gutachten zum Vergleich
Für einen vollständigen Überblick über Pflegegrad-Leistungen, Pflegegeld-Beträge und alle Antragsschritte empfehlen wir: Pflegegrad & Leistungen 2026: Vollständiger Überblick →
Häufige Fragen — MDK-Besuch vorbereiten
Darf ein Angehöriger beim MDK-Besuch dabei sein?
Ja, und es ist dringend empfohlen. Angehörige oder Pflegekräfte können ergänzen, korrigieren und konkrete Beispiele nennen. Betroffene unterschätzen ihren eigenen Hilfebedarf oft — oder überschätzen sich, um Stärke zu zeigen. Eine vertraute Person vor Ort sorgt für eine realistischere Darstellung.
Wie lange dauert ein MDK-Besuch?
In der Regel 45–90 Minuten. Der Gutachter beobachtet, befragt die pflegebedürftige Person und die Pflegeperson, und füllt das NBA-Formular aus. Komplexere Fälle mit Demenz oder mehreren Erkrankungen dauern meist länger.
Kann ich den MDK-Termin verschieben?
Ja, einmalig ohne Begründung. Nutzen Sie das, falls Sie nicht vorbereitet sind oder der Termin an einem guten Tag liegt. Ein einmaliger Verschiebungsantrag bei der Pflegekasse ist problemlos möglich — am besten telefonisch und mindestens 3 Tage vorher.
Was passiert, wenn das MDK-Ergebnis falsch erscheint?
Sie können das Gutachten anfordern und innerhalb von 1 Monat Widerspruch einlegen. Begründen Sie konkret, welche Punkte falsch bewertet wurden. Ein neuer MDK-Besuch ist dann möglich. Die Erfolgsquote beim Widerspruch liegt bei ca. 30–50 %.
