Startseite › Blog › Medikamentengabe durch Pflegekraft Autor: Maria Hoffmann, Pflegeexpertin bei Lumira | Zuletzt aktualisiert: April 2027
Darf die 24h-Pflegekraft Medikamente geben? Die Antwort hängt von der Qualifikation der Pflegekraft und der Art des Medikaments ab. Eine Betreuungskraft (ohne Pflegefachkraft-Ausbildung) darf bei oralen Medikamenten unterstützen — Injektionen und andere Behandlungspflege sind Pflegefachkräften vorbehalten. Dieser Artikel klärt die rechtliche Grenze klar und verständlich auf.
Betreuungskraft erlaubt
nur Pflegefachkraft
Behandlungspflege nach Verordnung
- Betreuungskraft darf: Tabletten richten, an Einnahme erinnern, Wasser reichen, dokumentieren
- Pflegefachkraft vorbehalten: Injektionen, Infusionen, Sondenkost, Wundversorgung
- Behandlungspflege: separat über ambulanten Pflegedienst (§37 SGB V, Krankenkasse zahlt)
- Qualifikation entscheidet: anerkannte polnische Pflegefachkraft darf auch in Deutschland Behandlungspflege leisten
- Haftung: bei Fehler haftet primär die Agentur
Was ist Grundpflege, was ist Behandlungspflege?
Die wichtigste rechtliche Grenzlinie in der häuslichen Pflege:
| Tätigkeit | Grundpflege §37 SGB XI | Behandlungspflege §37 SGB V |
|---|---|---|
| Wer darf es? | Betreuungskraft | Nur Pflegefachkraft |
| Wer zahlt? | Pflegekasse / Familie | Krankenkasse (nach Verordnung) |
| Tabletten reichen (oral) | Ja — als Unterstützungshandlung | Nein (nicht nötig) |
| Insulin-Injektion | Nein | Ja — Pflegefachkraft |
| Wundversorgung (einfach) | Nein | Ja — Pflegefachkraft |
| Blutdruckmessen | Ja — als Assistenz | Ja |
| Magensonde | Nein | Ja — Pflegefachkraft |
| Pflaster wechseln (klein) | Ja — einfache Wunden | Bei chronischen Wunden: Fachkraft |
Was darf die Betreuungskraft bei Medikamenten konkret?
- Tabletten, Kapseln und Dragees aus der Verpackung nehmen und in ein Schälchen legen
- An die Einnahme erinnern ("Es ist Zeit für Ihre Medizin")
- Wasser oder ein Glas Saft zum Schlucken reichen
- Tabletten teilen, wenn dies im Medikationsplan vorgesehen ist
- Einnahme im Pflegedokumentation vermerken
- Pflaster kleben (kleine, saubere Wunden ohne Behandlungsbedarf)
- Blutdruck messen und Wert notieren (Assistenz beim Messen)
- Subkutane oder intramuskuläre Injektionen (Insulin, Heparin u.a.)
- Intravenöse Infusionen anlegen oder überwachen
- Magensonde (PEG) spülen oder Sondenkost verabreichen
- Katheter legen, pflegen oder wechseln
- Chronische Wunden versorgen (Dekubitus, Ulcus cruris)
- Medikamentendosierung eigenständig anpassen
- Medikamente in Schleimhäute einbringen (Augen, Nase, Rektum) bei Unsicherheit
Wann brauche ich eine Pflegefachkraft statt einer Betreuungskraft?
| Situation | Empfehlung | Finanzierung |
|---|---|---|
| Nur Grundpflege, orale Medikamente | Betreuungskraft ausreichend | Pflegekasse + Eigenanteil |
| Tägliche Insulininjektionen | Betreuungskraft + Pflegedienst | Pflegekasse + Krankenkasse §37 |
| PEG-Sonde, Katheter | Betreuungskraft + Pflegedienst | Krankenkasse §37 SGB V |
| Komplexe Wundversorgung | Pflegefachkraft nötig | Krankenkasse §37 SGB V |
| Demenz ohne medizinischen Bedarf | Betreuungskraft ausreichend | Pflegekasse + Eigenanteil |
Häufige Fragen zur Medikamentengabe
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