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Pflege & Betreuung2026-08-20·Maria Hoffmann

Ernährung im Alter: Wichtige Tipps für Betreuungskräfte

Ernährung im Alter in der 24h-Pflege: Was Pflegebedürftige brauchen, welche Risiken lauern und wie Betreuungskräfte die Ernährung sicherstellen.

Ernährung im Alter: Wichtige Tipps für Betreuungskräfte

Autor: Maria Hoffmann, Pflegeexpertin bei Lumira  |  Stand: August 2026  |  Aktualisiert: 2026-08-20

Mangelernährung und Dehydration gehören zu den häufigsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Risiken für Pflegebedürftige zu Hause. Studien zeigen, dass bis zu 30 % der älteren Menschen in der häuslichen Pflege mangelernährt sind — mit gravierenden Folgen für Muskelkraft, Wundheilung und kognitive Leistungsfähigkeit. Betreuungskräfte in der 24h-Pflege spielen eine Schlüsselrolle: Sie sind täglich vor Ort und können Ernährungsprobleme frühzeitig erkennen und gezielt gegensteuern. Dieser Ratgeber erklärt, worauf sie dabei achten müssen.

Ernährung im Alter — die wichtigsten Fakten
  • Mindestflüssigkeit: 1,5–2 Liter täglich (Wasser, Tee, Suppe)
  • Eiweißbedarf: 1,0–1,2 g pro kg Körpergewicht täglich
  • Mahlzeitenfrequenz: 5–6 kleine Portionen statt 3 große
  • Kritische Warnsignale: Gewichtsverlust > 5 % in 3 Monaten
  • Betreuungskräfte dürfen: kochen, einkaufen, beim Essen assistieren
  • Betreuungskräfte dürfen nicht: Sondenkost verabreichen, medizinische Kostformen eigenständig festlegen

Warum Ernährung im Alter so komplex ist

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Beziehung zum Essen grundlegend. Das Hunger- und Durstgefühl nimmt physiologisch ab — ältere Menschen bemerken Durst oft erst, wenn sie bereits leicht dehydriert sind. Gleichzeitig verlangsamt sich der Stoffwechsel, was dazu führt, dass der Körper zwar weniger Kalorien benötigt, aber keinesfalls weniger Nährstoffe. Diese Diskrepanz macht ausgewogene Ernährung zur echten Herausforderung.

Hinzu kommen körperliche Probleme wie Zahn- und Kieferschmerzen, Schluckbeschwerden (Dysphagie), trockener Mund als Medikamentennebenwirkung sowie Verdauungsbeschwerden durch verringerte Darmbeweglichkeit. Bei Menschen mit Demenz kommt die kognitive Komponente dazu: Sie vergessen zu essen, erkennen Lebensmittel nicht mehr als solche oder können Besteck nicht mehr richtig handhaben.

Achtung Dehydration: Bei älteren Menschen zeigt sich Dehydration oft nicht mit dem klassischen Durstgefühl, sondern durch Verwirrtheit, Schwindel, dunklen Urin und trockene Schleimhäute. Besonders im Sommer kann eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr schnell zu Krankenhausaufenthalten führen. Betreuungskräfte sollten Getränke konsequent und regelmäßig anbieten — auch ohne Aufforderung.

Nährstoffbedarf im Alter: Was Pflegebedürftige wirklich brauchen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für ältere Menschen eine nährstoffreiche, aber nicht unbedingt kalorienreiche Ernährung. Besonders wichtig sind Eiweiß zum Muskelerhalt, Calcium und Vitamin D für die Knochen sowie B-Vitamine für das Nervensystem. Eisen, Zink und Magnesium werden häufig zu wenig aufgenommen.

Eiweiß ist dabei der wichtigste Faktor zur Vorbeugung von Sarkopenie — dem altersbedingten Muskelschwund. Bei Pflegebedürftigen mit eingeschränkter Mobilität ist der Muskelschwund besonders ausgeprägt und erhöht das Sturzrisiko erheblich. Gute Eiweißquellen sind Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Eier, mageres Fleisch und Fisch.

NährstoffTagesbedarf (Richtwert)Gute QuellenRisiko bei Mangel
Eiweiß1,0–1,2 g/kg KGEier, Quark, Hülsenfrüchte, FischMuskelschwund, schlechte Wundheilung
Calcium1.000 mgMilch, Käse, Brokkoli, SesamOsteoporose, Knochenbrüche
Vitamin D800–1.000 IEFettfisch, Eier (+ Sonne)Knochenabbau, Sturzrisiko
Vitamin B124,0 µgFleisch, Fisch, MilchprodukteDemenz-ähnliche Symptome, Anämie
Flüssigkeit1,5–2,0 LiterWasser, Tee, Suppe, SaftVerwirrtheit, Nierenschäden, Stürze
Ballaststoffe30 gVollkorn, Gemüse, Obst, HülsenfrüchteVerstopfung, Darmprobleme

Praktische Aufgaben der Betreuungskraft beim Thema Ernährung

Unsere Betreuungskräfte bei Lumira sind geschult, die Ernährungssituation täglich im Blick zu behalten. Dazu gehört zunächst die Beobachtung: Isst die pflegebedürftige Person regelmäßig und ausreichend? Werden Mahlzeiten verweigert? Hat sich das Gewicht verändert? Bereits diese einfachen Beobachtungen sind wertvolle Informationen für die Familie und den behandelnden Arzt.

Bei der Mahlzeitenzubereitung gelten klare Leitlinien: Mahlzeiten sollen ansprechend aussehen, den Vorlieben der pflegebedürftigen Person entsprechen und leicht verdaulich sein. Kleinere, häufigere Mahlzeiten (5–6 pro Tag) sind oft besser verträglich als drei große. Finger Foods wie Käsewürfel, Obstscheiben oder Minibrötchen können die Selbstständigkeit fördern — besonders bei Demenz.

Praxistipp Trinkprotokoll: Führen Sie ein einfaches Trinkprotokoll — notieren Sie jedes angebotene Getränk mit Uhrzeit und Menge. Das hilft nicht nur bei der Übergabe an Wechselpflegekräfte, sondern gibt dem Arzt beim nächsten Besuch wertvolle Informationen. Viele Familien nutzen dafür einfache Tabellen auf dem Kühlschrank.

Schluckbeschwerden und besondere Ernährungsformen

Dysphagie — also Schluckbeschwerden — betrifft schätzungsweise 15–30 % der älteren Pflegebedürftigen und stellt ein ernstes gesundheitliches Risiko dar: Nahrung oder Flüssigkeit kann in die Atemwege gelangen (Aspiration) und zu schwerer Lungenentzündung führen. Betreuungskräfte dürfen bei diagnostizierter Dysphagie keine eigenständigen Anpassungen vornehmen — dies erfordert zwingend ärztliche und logopädische Begleitung.

Was Betreuungskräfte tun können: Auf Warnzeichen achten (Husten beim Essen, Räuspern, feuchte Stimme nach dem Essen), die Familie umgehend informieren und beim Essen eine aufrechte Sitzposition sowie ruhige Umgebung sicherstellen. Angedicktes Wasser oder pürierte Kost darf nur auf ausdrückliche Anweisung eines Arztes oder Logopäden verabreicht werden.

Kompetenzgrenzen kennen: Betreuungskräfte übernehmen hauswirtschaftliche und begleitende Aufgaben rund um die Ernährung — sie sind keine Ernährungsberater und keine Pflegefachkräfte. Bei medizinischen Ernährungsfragen (Sondenkost, spezielle Diäten bei Nierenerkrankungen, Diabetes-Kostformen) müssen immer Arzt und ggf. ambulanter Pflegedienst einbezogen werden.
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FAQ – Ernährung im Alter und in der 24h-Pflege

Warum sind Mangelernährung und Dehydration bei Pflegebedürftigen so häufig?

Ältere Menschen haben oft ein vermindertes Hunger- und Durstgefühl, Schluckbeschwerden, Kaubeschwerden durch Zahnprobleme oder nehmen Medikamente, die den Appetit dämpfen. Demenz kann dazu führen, dass Betroffene vergessen zu essen oder trinken. Betreuungskräfte müssen daher aktiv auf ausreichende Nahrungsaufnahme achten.

Wie viel sollten pflegebedürftige Menschen täglich trinken?

Ältere pflegebedürftige Menschen benötigen in der Regel mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit täglich. Bei Fieber, Hitze oder bestimmten Erkrankungen kann der Bedarf höher sein. Betreuungskräfte sollten Getränke regelmäßig anbieten und die Trinkmenge wenn möglich dokumentieren.

Welche Nährstoffe sind im Alter besonders wichtig?

Im Alter sind Eiweiß (für Muskelerhalt, mindestens 1,0–1,2 g pro kg Körpergewicht täglich), Calcium und Vitamin D (für die Knochengesundheit), B-Vitamine (für das Nervensystem) sowie Omega-3-Fettsäuren besonders wichtig. Gleichzeitig sinkt der Energiebedarf, weshalb nährstoffreiche, kalorienarme Lebensmittel bevorzugt werden sollten.

Was darf eine Betreuungskraft in der Küche selbstständig tun?

Betreuungskräfte dürfen Mahlzeiten zubereiten, Lebensmittel einkaufen, Getränke anbieten und beim Essen assistieren. Sie dürfen jedoch keine medizinischen Kostformen eigenständig festlegen oder bei Schluckstörungen ohne ärztliche Anweisung handeln. Bei besonderen Ernährungsanforderungen (z.B. PEG-Sonde) ist immer ein Pflegedienst einzubeziehen.

Wie erkennt eine Betreuungskraft Mangelernährung?

Warnzeichen für Mangelernährung sind unbeabsichtigter Gewichtsverlust (mehr als 5 % in 3 Monaten), Muskelschwund, blasse oder trockene Haut, Antriebslosigkeit, häufige Infekte und schlecht heilende Wunden. Bei Verdacht sollte umgehend die Familie und ein Arzt informiert werden.

Wie gestaltet man Mahlzeiten für Demenzkranke?

Bei Demenz helfen feste Essenszeiten und gewohnte Rituale, Fingerfood für mehr Selbstständigkeit, ruhige Umgebung ohne Ablenkung, auffällige Teller (Kontrast zu Tischdecke), kleine Portionen, die mehrmals täglich gereicht werden, sowie Geduld und positive Stimmung beim Essen.

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